Ein Fund vom Meer

19. Juni 1923

Am nächsten Tag wollten Gustav, Joseph und Johannes dem ehemaligen – und jetzt wieder neuen – Museumvorsteher einen Besuch abstatten. Dort angekommen begrüßte sie seine Frau herzlichst und lud sie ein, noch ein paar belegte Brote zu essen. Gustav Meinder erzählte derweil, dass er die Figur damals zusammen mit dem damaligen Pfarrer der evangelisch-reformierten Kirche, Heinrich Beelte in der Kiste einschloß. Gustav Meinder goß die Figur damals in Blei, so wie ihm das vom Pfarrer geheißen wurde. Der Pfarrer gab ihm kurz vor seinem Tod die Kiste zu Verwahrung. Er erinnerte sich noch an die letzten Worte die der Pfarrer zu ihm gesprochen hatte, “Hüte dich, sie zu öffnen, denn ein dunkler Seeteufel haust im Inneren!”
Gustav Meinder war sichtlich erschöpft nach der Schilderung der Ereignisse von damals. Er verabschiedete die drei Männer und meinte noch, dass man sich ja noch auf dem Gala-Dinner im Bürgermeisteramt sehen würde.
Johannes, Joseph und Gustav beschlossen daraufhin der evangelisch-reformierten Kirche einen Besuch abzustatten. Auf dem Weg dorthin trafen sie von Gehrenfels, der mit dem Jungen Immo gerade auf dem Weg ins Hotel war. Von Gehrenfels bot nochmals an ihn zum Fischen zu begleiten, er wollte nicht allein gehen müssen, also ließ er Immmo bei den dreien, damit er ihm bescheid geben konnte, sollten die drei Herren alles erledigt habe. Daraufhin zückte Johannes seinen Geldbeutel und ließ den Jungen den Tag andersweitig verbringen.
An der Kirche angekommen schaute sich die Drei erstmal um. Jürgen Rickert, der Pfarrer der Kirche, gestatte den drei Männern in den Archiven der Kirche zu schmökern. Johannes und Gustav bemerkten, dass die Bände erst ab dem Jahr 1752 einsetzten und sie bemerkten ebenfalls, dass einzelne Seiten aus den Büchern entfernt wurden. Joseph schaute sich derweil weiter in der Kirche um und entdeckte einen goldenen Becher mit Darstellungen von eindeutig veränderten Menschen. Mit einer Lupe konnte man erkennen, dass es die Menschen auf dem Becher Schwimmhäute zwischen den Fingern hatten und Fortsätze an den Armen und Beinen, die Flossenkämme darstellen könnten, dazu hatten die Menschen alle große Augen mit froschartigen Pupillen. Darauf angesprochen wußte der junge Priester nicht, was er davon halten sollte und wollte dieses heidnische Ding erst einmal zur Störtebecker Schaukammer bringen.
Daraufhin machten sich die drei Männer auf zum Hotel, um mit von Gehrenfels zum Klischenangeln zu gehen. Von Gehrenfels war sehr erfreut, dass sie doch noch Zeit gefunden hatten und sie machten sich sofort mit Immo zusammen auf den Weg zum Hohen Hörn. Immo erwies sich dabei als hilfreicher Führer, der Schlickfelder und Priele intelligent zu umgehen vermochte. Angekommen an der Pladdntong warfen alle bei herrlichem Wetter die Angeln aus und holten sogar kurze Zeit später einige der kleinen Plattfische aus dem Wasser.
Unbemerkt von allen zog allerdings ein Unwetter auf. Vorbei war die gemütliche Atmosphäre, es hieß jetzt schnell zurück, bevor das Unwetter sie errichte. Leider verhinderte das Watt ein schnelles vorankommen und sowohl das Unwetter als auch die Flut erreichte die Gruppe. Die letzte Hoffnung auf Erretung waren zwei Türme zur Seenotrettung. Leider war in dem ersten Turm nicht genug Platz für alle. Von Gehrenfels und Immo machten sich deshalb auf zu nahegelegen zweiten Turm. “Wenn wir hier heil rauskommen, schmeiß’ ich ne Runde an der Hotelbar!” waren die letzten Worte, die sie von von Gehrenfels hörten.
Der Regen prasselte derweil unaufhörlich auf das Dach des Turmes und der ganze Turm schwankte gefährlich im Wind. Johannes, Joseph und Gustav hielten sich gegenseitig fest, um nicht aus dem Turm zu fallen. Vom Nachbarturm hörten die drei Männer Schreie, doch durch den Wind konnte man nur einzelne Worte verstehen. Achtung? Brandung?
Kurze Zeit später hörten die drei Herren ein träges Tock-Tock, als würde etwas schweres gegen die Standbeine des Turms gedrückt. Gerade als Joseph nachschauen wollte, hörten sie von der Leiter unter ihnen schwere Schritte…

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Bendor

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